Brasiliens Wirtschaftspolitik

Brasilien schaffte es, das als Krisenjahr bekannte 2009 mit vermutlich positiver  Bilanz abzuschliessen. Die Zentralbank geht von einem Plus von zwar nur 0,2 Prozent aus.  Jedoch kaum einer anderen grossen Volkswirtschaft wird  dies gelungen sein. Brasilien konnte sich bereits im Frühjahr 2009 wieder aus der Rezession lösen, in die es Ende 2008 im Zuge der globalen Krise abgerutscht war. Damit war die Krise deutlich kürzer ausgefallen als in vielen anderen Industrieländern. Unter den größeren Volkswirtschaften der Welt dürften einer Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge jedoch nur Indien und China stärker gewachsen sein als Brasilien.

Analysten zufolge, wird 2010 das Bruttoinlandprodukt voraussichtlich wieder über  5 Prozent zulegen. Das Anziehen der Wirtschaft bringt jedoch auch Inflationsgefahren mit sich. Die Währungshüter erwarten einem Anstieg der Verbraucherpreise um über 4 Prozent.

Mit ein Grund für solch positive Aussichten fügen sportliche Grossereignisse wie die Fußball WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 bei, für die Milliardeninvestitionen geplant sind.

Für Deutschland als der wichtigste Wirtschaftspartner Brasiliens innerhalb der EU, bedeutet dies die starke Stellung im Land weiterhin auszubauen zu können.

 Brasilien kann bereits für die letzten 16 Jahre eine stabile Wirtschaftspolitik ausweisen, welch auf eine „niedrige“ Inflation und dem Abbau der Staatsschulden zurück zuführen ist. Als Resultat, konnte sich  der Real gegenüber dem Euro und dem Dollar aufwerten und stabilisieren. Da alle Parteien übereinstimmen, die erfolgreiche Wirtschaftspolitik fortzusetzen,  werden ausländische Firmen auch in Zukunft ideale Bedingungen in Brasilien vorfinden.

 wg

Stand: Oktober 2009

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von ca. 1.586 Mrd.USD (2008) ist Brasilien die zehntgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen betrug zur gleichen Zeit ca. 8.200 USD. Die Erwirtschaftung des BIP erfolgt zu etwa 64% im Dienstleistungsbereich, zu 30% in der Industrie und zu 6% in der Landwirtschaft. Brasilien konnte in den letzten Jahren stark vom Rohstoffboom profitieren. Es erzielte erhebliche Handelsüberschüsse, die es zum Abbau der Auslandsverschuldung nutzte. Durch eine stabilitätsorientierte Geldpolitik konnte auch die Inflationsrate merklich reduziert werden.

Die positive Entwicklung der Wirtschaftslage in Brasilien (2007: +5,4% BIP -Wachstum) schwächte sich 2008 infolge der einsetzenden globalen Wirtschaftskrise ab; das Wachstum betrug aber immer noch 5,1%. Nach Wachstumseinbrüchen im 4. Quartal 2008 / 1. Quartal 2009 wurde im 2. Quartal 2009 ein Wachstum von 1,9% verzeichnet. Für das Gesamtjahr 2009 rechnen Prognosen mit einem Null-Wachstum, für 2010 mit + 3% und +5%. Die Inflation bewegte sich August 2009 mit 4,4% weiterhin innerhalb des Zielkorridors von 4,5% +/- 2%. Das von der brasilianischen Regierung 2007 aufgelegte Programm zur Beschleunigung des Wirtschaftswachstums (PAC – Programa de Aceleração do Crescimento) sieht nach einer 2008 erfolgten Aufstockung um mehr als 140 Mrd. Reais bis 2010 Investitionen von 646 Mrd. Reais (1 EURO entspricht etwa 2,65 Reais) insbesondere in Infrastrukturprojekte vor. Ein Großteil der Investitionen soll durch öffentliche und private Unternehmen erfolgen.

Auch der brasilianische Außenhandel war von den Auswirkungen der Krise betroffen. Erstmals seit Jahren gingen Ex- und noch stärker Importe zurück. Der kumulierte Handelsbilanzüberschuss liegt damit im laufenden Jahr 2009 mit zuletzt 18,5 Mrd. USD sogar 3,5 Mrd. USD über dem entsprechenden Vorjahreswert.

In den Handelsbeziehungen Brasiliens nimmt die EU mit einem Anteil von etwa 24% die Spitzenposition ein; die USA haben mit einem Anteil von 14% gegenüber den lateinamerikanischen Ländern und besonders gegenüber China, das im 2. Quartal 2009 erstmals sogar Hauptabnehmer brasilianischer Exportprodukte wurde, an Boden verloren. Die EU ist auch der größte Auslandsinvestor in Brasilien. Schwerpunkte der brasilianischen Außenwirtschaftspolitik bleiben daneben der Mercosul sowie bilaterale Wirtschaftsbeziehungen in Südamerika. Die Regierung Lula war auch stark um die Diversifizierung der Außenwirtschaftsbeziehungen in andere Weltregionen (Afrika, Asien) bemüht.


Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Schweizer Firmen in Brasilien

 

Schweizer Firmen sind seit langem in Brasilien präsent: Schon im 19. Jahrhundert schickten sie Handelsvertreter nach Brasilien, im 20. Jahrhundert begannen sie in Brasilien zu produzieren. Heute beschäftigen Schweizer Firmen mehr als 90'000 Personen in Brasilien; der Kapitalbestand der schweizerischen Investitionen liegt über 34 Mrd. SFr. (Stand Ende 2007).

 

Für die Schweizer Wirtschaft ist ein umfassender Investitionsschutz deshalb von grosser Bedeutung. Die Schweiz strebt deshalb den Abschluss bilateraler Abkommen mit Brasilien über den Investitionsschutz sowie über die Vermeidung der Doppelbesteuerung an. Mit solchen Abkommen will die Schweiz die Rechtsstellung von Investoren verbessern und ein günstiges Klima für Kapitalanlagen schaffen.

 

Zur Entwicklung der bilateralen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen haben die Schweiz und Brasilien im 2007 eine Gemischte Kommission geschaffen, in der auch konkrete Firmenprobleme (namentlich im Verkehr mit Behörden) einer Lösung zugeführt werden.
In Einzelfällen können die schweizerischen Vertretungen in Brasilien den Schweizer Firmen konsularischen oder diplomatischen Schutz gewähren.

Die Interessen der Schweizer Firmen in Brasilien vertritt auch die Schweizerisch-Brasilianische Handelskammer (Swisscam, siehe unter „Links“ auf der rechten Seite) in São Paulo. Sie zählt über 300 Mitglieder und betreibt auch eine Job-Börse.

Die Handelskammern im wirtschaftlichen Zentrum Brasiliens

Im Wirtschaftsleben Brasiliens kommen dem Südosten und dem Süden eine entscheidende Bedeutung zu. Sie beherbergen 59 % der brasilianischen Bevölkerung, erwirtschaften 76 % des Bruttoinlandsprodukts und stellen 78 % der Industrieerzeugnisse Brasiliens her.

Auch für die Unternehmen aus Deutschland, die rund US$ 15,7 Mrd. in Brasilien investiert haben, sind der Landessüden und Südosten der bevorzugte Standort. Fast alle der 1.200 in Brasilien engagierten Firmen deutschen Ursprungs haben sich in diesen Regionen niedergelassen.

Seit 90 Jahren sind die Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammern im Dienste der Zusammenarbeit der beiden weitgehend komplementären Volkswirtschaften Deutschland und Brasilien tätig. Ihnen angeschlossen sind mehr als 1200 Mitgliedsfirmen, nicht nur Unternehmen mit deutschem Kapital und Know-how, sondern auch außenwirtschaftlich orientierte brasilianische und in Deutschland ansässige Unternehmen sowie Institutionen.

Entsprechend ihrer bilateralen Ausrichtung setzen sich die Auslandshandelskammern für die Interessen der Wirtschaft beider Länder ein und leisten ihren Beitrag zu den intensiven Wirtschaftsbeziehungen, die das Wachstum verstärken, den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt fördern und damit den Wohlstand der Bevölkerung der Partnerländer erhöhen.

Die Nähe zu Unternehmen, Behörden und Verbänden in Brasilien und Deutschland ermöglicht es den Kammern, wertvolle Dienstleistungen zu erbringen, die den Zugang zum brasilianischen und panamerikanischen sowie zum deutschen beziehungsweise europäischen Markt erleichtern. Das breite Angebot und die starke Inanspruchnahme ihrer Dienstleistungen hat die zentrale Bedeutung der Kammern für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Kontinenten gefestigt.

Dabei beruht die Arbeit der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammern im wesentlichen auf drei Säulen, nämlich der Außenwirtschaft, der Berufsbildung und der Öffentlichkeitsarbeit.

Diese drei Säulen sind in Form von Hauptabteilungen organisiert, die wiederum auf die Mitarbeit von drei anderen wichtigen Abteilungen zurückgreifen können, und zwar auf die Juristische, die Volkswirtschaftliche sowie die Messeabteilung. Darüber hinaus stehen neben weiteren eigenen Service-Einheiten der Kammern auch fremd-finanzierte Abteilungen und Sektoren mit ihrem Dienstleistungsangebot der deutsch-brasilianischen Wirtschaft zur Verfügung.

 Quelle: Deutsche Handelskammer, Porto Alegre